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Grund: Meinungskollision mit Uni-Stiftungsratspräsident Peter Ritter
Uni-Rektor Giselher Guttmann wird sein Amt in Kürze niederlegen. Eine demnächst geplante Statutenänderung drohe, den humanwissenschaftlichen Gründungsgeist der Uni zu zerstören. Auch Peter Ritter solle sein Präsidentenamt niederlegen.
VON JOHANNES MATTIVI
Schon längere Zeit hatte es in der Beziehung zwischen dem Rektor der Triesner Universität für Humanwissenschaften, Giselher Guttmann, und dem Präsidenten des Uni-Stiftungsrates, Peter Ritter, Differenzen gegeben. Nun ist der Bruch endgültig erfolgt - Rektor Guttmann will sich von der Uni trennen und - falls nötig - auch das Land verlassen. Und weiter: «Nach sieben Semestern - so lange besteht die Uni nun - sollte endlich auch der Vorsitz im Stiftungsrat rotieren.» Im Klartext: Guttmann fordert Stiftungsratspräsident Peter Ritter auf, ebenfalls von seinem Amt zurückzutreten.
Konflikt zwischen Leitung und Lehre
Er fühle sich persönlich dafür verantwortlich, dass alle seine derzeitigen Studenten ihr Studium auch erfolgreich abschliessen können, erklärte Guttmann dann weiter. Deshalb habe er bereits vorsorglicherweise an seiner früheren Lehrstätte, der Universität Wien, ein Privatissimum angemeldet. Falls er nach seinem Rücktritt als Rektor auch als Lehrender abtreten müsse, so werde er alle seine Doktoratsstudenten einfach nach Wien mitnehmen und dort bis zu ihrem Abschluss weiter unterrichten.
Als Auslöser für seinen Rücktrittsentscheid nannte Rektor Guttmann eine geplante Statutenänderung an der Universität. Der Stiftungsrat beabsichtige, ein Leitungsgremium zu installieren, in der kein wissenschaftlicher Vertreter der Uni mitbestimmen könne - und das sei einzigartig an einer europäischen Uni. Wenn es aber in einer Leitungssitzung um die Frage ginge, welche Lehrgänge bzw. Institute an der Uni geführt oder neu gegründet werden sollten und vor allem auch welche Professoren berufen werden sollten, dann müssten die Entscheidungen vom wissenschaftlichen Personal getroffen werden.
Er sei vor dreieinhalb Jahren gerne dem Ruf nach Liechtenstein gefolgt, so Guttmann, um hier eine eigenständige postgraduale universitäre Einrichtung zu gründen, eine Uni nach Humboldtschem Ideal, als Ort einer freien und interdisziplinären Lehre, in einem kleinen Rahmen, der - zum Unterschied von der Massenuniversität Wien - eine sehr persönliche Betreuung der Studenten und flexibles «Teaching on demand» zulasse. Jetzt habe er den Eindruck, dass der Gründungsgeist dieser visionären Uni in Liechtenstein ausgehöhlt werde, und auf diesem Weg werde er nicht mehr mitgehen.
Unverständnis bei Präsident Peter Ritter
Der Rücktrittsentscheid von Uni-Rektor Guttmann komme für ihn vollkommen überraschend, lautete die erste Reaktion von Uni-Stiftungsratspräsident Peter Ritter gestern am Telefon. Es sei noch keinerlei Statutenänderung an der Uni beschlossen worden - lediglich verschiedene Diskussionspapiere würden derzeit beim Stiftungsrat auf dem Tisch liegen. Schon deshalb erfolge Guttmanns Rücktritt völlig übereilt. Ausserdem habe die Universität für Humanwissenschaften von Regierungsseite die Auflage bekommen, ihre Organisationsstrukturen bis 2005 in mehreren Punkten anzupassen.
Auflagen der Regierung
In der Tat war die staatliche Anerkennung der Lehrgänge und Abschlüsse der Uni vor zwei Jahren mit einigen Auflagen erfolgt. Zuerst hatte die damalige Regierung eine Gruppe von Wissenschaftlern der Universität St. Gallen (HSG) unter der Leitung des dortigen Wirtschaftsprofessors Rolf Dubs beauftragt, über die neu gegründete humanwissenschaftliche Uni in Liechtenstein einen wissenschaftlichen Prüfbericht (sprich «peer review») zu erstellen. Der Bericht kam zum Ergebnis, dass die Liechtensteiner Uni die staatliche Anerkennung grundsätzlich verdiene, dass aber innert zwei Jahren - mit anschliessender Nachkontrolle - einige Änderungen in der Organisation erfolgen müssten. Revisioniert werden sollten u. a. die Führungsstrukturen durch alle Ebenen sowie die Aufgaben von Rektor und Prorektor. Die derzeitige Führung, kritisierte der Bericht damals auch, sei zu stark um die Person des Gründungsrektors Giselher Guttmann zentriert. Die Führungsbasis müsse in Hinkunft verbreitert werden, zumal auch Rektor Guttmann auf die 70 zugehe und sich deshalb schon in absehbarer Zeit die Frage einer Nachfolge stellen werde.
Quelle: Liechtensteiner Vaterland, Vaduz / Liechtenstein
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