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Im Beisein von Fürst, Regierung, Landtag und zahlreichen Ehrengästen wurde gestern Abend der neue Campus der Fachhochschule Liechtenstein in der umgebauten Spoerry-Fabrik Vaduz eröffnet - das erste gemeinsame Dach der Fachhochschule seit 41 Bestandsjahren.
Von Johannes Mattivi
Nachdem 1993 die letzten Spinnereimaschinen der traditionsreichsten Textilfabrik Liechtensteins, der Spoerry Vaduz, für immer verstummt waren, kehre jetzt mit der Fachhochschule neues Leben in das Gebäude zurück, sagte Regierungschef Otmar Hasler in seiner Begrüssungsrede. Den Architekten zollte der Regierungschef grosses Lob: Es sei ihnen ausgezeichnet gelungen, beim Umbau der Spoerry zum Fachhochschul-Campus Neu und Alt zu verbinden. Der Charakter der Spoerry als Zeitzeuge der Liechtensteiner Industrie- und Landesgeschichte sei sichtbar gewahrt geblieben, und gleichzeitig sei ein überzeugend gegliedertes Gebäude entstanden mit einer am Menschen orientierten Raumgestaltung, in der man sich wohl fühle.
Rolf Spoerry - ein Unternehmer mit Weitsicht
Einen speziellen Dank richtete anschliessend der Vaduzer Bürgermeister Karlheinz Ospelt an den im Saal anwesenden ehemaligen Besitzer der Fabrik, Rolf Spoerry, welcher den familiären Textilbetrieb bis zur Schliessung Anfang der 90er Jahre führte. Rolf Spoerrys Weitsicht sei es zu verdanken gewesen, so Bürgermeister Ospelt, dass das Spoerry-Areal nach der Fabriksschliessung nicht zerstückelt worden und in die Hände privater Grossinvestoren gekommen sei. Vielmehr habe das Land schon im Jahr 1985 das ganze Areal von den damaligen Eigentümern kaufen und anschliessend in Raten an die Gemeinde Vaduz übergeben können. Und damit, sagte Bürgermeister Ospelt, sei das gesamte Spoerry-Areal wieder in die Hände der ursprünglichen Besitzer, der Vaduzer Bevölkerung, zurückgekehrt.
Ursprünglich hätte das Kunsthaus in die leer stehenden Spoerry-Hallen einziehen sollen, berichtete Bürgermeister Karlheinz Ospelt. Nach einigen Beratungen sei man aber zur Auffassung gelangt, dass das Kunsthaus im Vaduzer Ortszentrum besser aufgehoben sei als an der Peripherie.
Die Spoerry: Gemeinsames Dach für viele Nutzer
Als neue langfristige Nutzungslösung für die Spoerry wurde dann die Unterbringung der Fachhochschule gefunden. Die Fachhochschule war nämlich in den vier Jahrzehnten ihres Bestehens immer stärker gewachsen und brauchte mehr Räumlichkeiten. Zuletzt waren die Studienrichtungen Wirtschaft und Architektur in verschiedenen Gebäuden in Vaduz und Triesen untergebracht - nun im Obergeschoss der ehemaligen Spoerry sind alle Hörsäle, Ateliers, Büros, eine gemeinsame Bibliothek für beide Studienrichtungen und die Mensa erstmals unter einem Dach vereint. Zusätzlich konnten im Spoerry-Hauptgebäude und in den Nebenbauten eine grosszügige und vielseitige Mehrzweckhalle, das Skimuseum, das Vaduzer Vereinshaus und der Jugendtreffpunkt Camäleon untergebracht werden.
Architektonische Verbindung von Alt und Neu
Dieser Augenblick der Übergabe des fertig umgebauten Spoerry-Gebäudes an die neuen Nutzer, so der Münchner Architekt Ludwig Karl, sei für ihn ein Moment der Freude, aber auch der Wehmut über den Abschied von einem ihm in den Jahren ans Herz gewachsenen Projekt.
Als er, Ludwig Karl, die damals leer stehenden hohen, lichtdurchfluteten, weitläufigen Hallen der stillgelegten Spoerry das erste Mal besichtigt habe, sei er beeindruckt und fasziniert gewesen. Klar sei ihm und Architektenkollege Markus Probst gewesen, dass der ursprüngliche Charakter der Fabrik nicht verloren gehen durfte, auch wenn die Errichtung vieler abgeschlossener Seminar-, Büro- und Versammlungsräume einzuplanen war. Ziel der Planung und schliesslich der Umsetzung war es für die Architekten, einerseits das Gebäude mit seinem einzigartigen, herben, kantigen, aber auch bizarren Charakter zu erhalten, andererseits aber auch die neue Nutzung, das neue Zeitalter für die Fabrik deutlich und ablesbar zum Ausdruck zu bringen.
Quelle: Liechtensteiner Vaterland
Link: http://www.vaterland.li
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