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Interessant und erfolgreich
13. Mai 2002

Regierungschef Otmar Hasler über einen nicht alltäglichen Arbeitsbesuch in den USA

Es war eine Arbeitsreise, die den liechtensteinischen Regierungschef bis in die innersten Schalt-zentralen der USA und der Vereinten Nationen führte. Im Volksblatt-Gespräch zog Otmar Hasler Bilanz über einen intensiven, aber erfolgreichen US-Besuch.

Wolfgang Zechner aus New York

Das «Herzstück» der Arbeitsreise war wohl das Treffen mit US-Finanzminister Paul O'Neill in Washington. Ein sensibles Treffen, das mit Fug und Recht als voller Erfolg bezeichnet werden kann.

«Schützenhilfe» der USA

«Es war ein sehr konstruktives und offenes Gespräch mit dem US-Finanzminister. Dieses Gespräch erlaubte es auch, die Position der liechtensteinischen Regierung in den Fragen bezüglich des Finanzplatzes sehr offen darzulegen», so Otmar Hasler am Samstag zum Volksblatt. Vor allem die in Aussicht gestellte «Schützenhilfe» in Sachen OECD erfreute den Regierungschef: «Der amerikanische Finanzminister war sehr gut informiert und zeigte sich sehr interessiert daran, mit Liechtenstein auf bilateraler Ebene enger zusammenzuarbeiten. Gerade im Bereich der OECD hat O'Neill betont, dass er die liechtensteinische Forderung nach einer Gleichbehandlung unterstützt. Diesbezüglich sah er, dass Liechtenstein und die USA in Grundhaltungen übereinstimmen.»

Aber nicht nur in Washington, auch in New York konnten liechtensteinische Anliegen erfolgreich deponiert werden. Der Auftritt im Plenarsaal der UNO vor dutzenden Regierungschefs aus aller Welt lag Otmar Hasler besonders am Herzen: «Es war mir wichtig, an der Sondersession für Kinder teilzunehmen, um auch den liechtensteinischen Bestrebungen - Kindern eine bessere Welt zu geben - eine Stimme zu geben.» Auch kleine Staaten seien, so Hasler, verpflichtet, im Rahmen der UNO an der Umsetzung der Konvention für Kinder mitzuwirken. Neben der Beschäftigung mit Sachfragen, nutzte Hasler die Zeit bei der UNO auch zum Bad in der Politikermenge: «Es war mir auch möglich, mit Vertretern verschiedener Staaten ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen.»

Staunen in «Denkfabrik»

Unter den zahlreichen anderen Terminen stach für Otmar Hasler vor allem das Arbeitsessen mit Mitgliedern des American Enterprise Institute (AEI), einem der führenden konservativen «Think Tanks» («Denkfabriken») der USA, heraus. Nachdem Otmar Hasler den Teilnehmern den Wirtschaftsstandort Liechtenstein in einem Vortrag näher gebracht hatte, entwickelte sich eine angeregte Diskussion, in der die AEI-Mitglieder reges Interesse für das Fürstentum bekundeten. «Für mich hat diese Diskussion gezeigt, dass es absolut notwendig ist, dass unser Land in politisch relevanten Kreisen in den USA zu einem Thema wird. Man merkte förmlich, wie erstaunt sich einflussreiche Persönlichkeiten wie die AEI-Mitglieder in Washington zeigten, als sie vom hohen Grad der Diversifizierung der liechtensteinischen Wirtschaft erfuhren», so der Regierungschef.

Lob für Botschafterin

Für Otmar Hasler war es aber auch eine Reise, die so manche «vermeintliche Selbstverständlichkeit» plötzlich in einem neuen Licht erscheinen liess: «Mir ist vor allem bewusst geworden, dass gerade kleine Staaten ein Netzwerk persönlicher Beziehungen aufbauen müssen, um sich Gehör zu verschaffen und ihre Interessen vertreten zu können», so der Regierungschef. Ein Netzwerk, das im Falle Liechtensteins mit dem Namen Claudia Fritsche gleichzusetzen ist. Auch vom Regierungschef kam prompt berechtigtes Lob für die FL-Botschafterin: «In diesem Zusammenhang möchte ich die ausgezeichnete Arbeit unserer Botschafterin Claudia Fritsche und ihrem Mitarbeiterstab würdigen. Ich schätze sehr, dass Liechtenstein so kompetent und engagiert im mächtigsten Land der Welt vertreten wird.»

Am Ground Zero

Ein Programmpunkt sollte freilich zu einer denkwürdigen emotionalen Gratwanderung werden: der Besuch am Ground Zero, dem Schauplatz der Terrorangriffe vom 11. September 2001. Für Otmar Hasler war es der wohl einprägsamste Moment während der gesamten Reise: «Immer in Erinnerung wird mir der Besuch am Ground Zero in New York bleiben. Hier konnte man sehen, welch furchtbare Folgen dieser unbegreifliche Terrorakt hat», so ein nachdenklicher Regierungschef.

Quelle: Liechtensteiner Volksblatt
Link: http://www.volksblatt.li


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