News
SCHAAN - Die Jugend zeigt sich zunehmend technikfeindlich. Für Wohlstand und Wirtschaftswachstum aber braucht es mehr Facharbeiter und Ingenieure. In Liechtenstein werden gute Fachkräfte alarmierend rar.
«Kaum jemand schraubt heute mehr an seinem Moped oder Auto», sagt Martin Feuerstein, Geschäftsführer der PAV Präzisions-Apparatebau Vaduz. Das habe zu einer Art Technikfeindlichkeit geführt. Dass es immer weniger Facharbeiter gibt, bringt ihn 2007 schwer in die Bredouille. Der Betrieb entwickelt und produziert anspruchsvolle Motorenteile für Luxus-Automarken und hat in der Branche einen Namen.
Doch just als die PAV 2006 auf Rekordkurs kam, verlor sie wertvolle Facharbeiter. Das Ziel für die Innovationen der Zukunft, ein Nichtraucherbetrieb werden, trieb einige Facharbeiter zur Konkurrenz. Dann gingen noch einige Mitarbeiter in Pension. Und der Nachwuchs fehlt. Dabei ist der Chef der PAV das beste Beispiel, wie der Traum eines Facharbeiters Wirklichkeit werden kann. Seit 1995 leitet er das Unternehmen.
Karriere mit Lehre
Obwohl es die frühere Schraubermentalität nicht mehr gibt, sieht Feuerstein für junge Leute, die gern mit Computern und Hightech arbeiten, in der Industrie grosse Chancen. Überall gehe der Trend in Richtung virtuelle Planung und Simulation. Karriere mit Lehre sei eine interessante Alternative zum Universitätsstudium. Doch händeringend werben alle in der Industrie um dieselben qualifizierten Arbeitskräfte.
Bereits ein flüchtiger Blick zeigt, dass die industrielle Produktion und Wertschöpfung die Grundlage für Wohlstand und Wirtschaftswachstum ist. «Die Exportindustrie bleibt der Motor der Konjunkturentwicklung in Liechtenstein», stellte die Konjunkturforschungsstelle Liechtenstein Kofl im Dezember fest.
44 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten in Liechtenstein in Industrie und produktbezogenen Dienstleistungsbereichen. Die Unternehmen sind auf ein innovatives Milieu angewiesen, in denen Facharbeiter, Meister, Ingenieure und eine hoch entwickelte Forschung und Entwicklung zusammenspielen.
Abhängig von Innovation
Das Rheintal ist ein Nest kleiner starker Technikunternehmen und die Chance der Industriezulieferer wächst, noch innovativer zu sein. «Vorausgesetzt wir finden Fachleute», sagt auch Magnus Tuor, Präsident der Sektion Gewerbliche Industrie der Wirtschaftskammer und Chef der Messtechnik AG in Triesen. Gut ausgebildete Ingenieure, Konstrukteure, Feinmechaniker, Elektrotechniker würden immer rarer. Der fehlende Techniker- und Facharbeiternachwuchs werde zum Problem für den Industriestandort.
Die Lage ist in Liechtenstein ähnlich wie in der Schweiz oder Deutschland. Die Gründe sind vielschichtig. Überall zeigen sich zunehmend mehr Jugendliche desinteressiert an technischen Studien oder Berufslehren. Hinzu kommen Schulsysteme, in denen es Hauptschüler immer schwerer haben, ihren Platz in der Arbeitswelt zu finden. Auch werden in etwa fünf Jahren mehr Mitarbeiter aus Altersgründen aus dem Arbeitsleben ausscheiden, als Nachwuchs nachkommt. Das scheint verhängnisvoll für eine Gesellschaft, deren Wirtschaft, Infrastruktur, Lebensstandard und Innovationsfähigkeit von der Fähigkeit abhängt, naturwissenschaftliche und technische Erkenntnisse umzusetzen.
Quelle: Liechtensteiner Volksblatt, Schaan / Liechtenstein
Link: http://www.volksblatt.li
Weitere Online-Angebote: Intereuropa.info | Euregio.li
Impressum | Sitemap | Werbung







