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Ohne Ausländer würde Liechtenstein aussterben. Dass Zuwanderer für das Land unerlässlich sind, zeigt die neue Studie zum Thema Integration und Migration.
Von Janine Köpfli
Die Geburtenrate sinkt und das schon seit Jahren. Damit ein Land ohne ausländische Hilfe überlebt, müsste eine Frau im Schnitt 2,1 Kinder bekommen. Tatsächlich bringt heute eine Frau nur noch 1,5 Kinder zur Welt, zu wenig, um die Bevölkerungszahl langfristig konstant zu halten. Wären in Liechtenstein die waschechten Liechtensteinerinnen allein für den Fortbestand der Nation verantwortlich, wären wir wohl schon längst auf der roten Liste der bedrohten Arten. Denn im Jahr 2003 bekamen liechtensteinische Mütter 190 Babies – das kommt einer Geburtenrate von 0,8 Prozent gleich. Eine sehr viel höhere Geburtenrate, nämlich 2,7 Prozent, haben die Mütter der so genannten Drittländer.
Schreckensszenario für Wirtschaft
Die Bevölkerung schrumpft nicht nur, sie altert auch. Die Studie «Migration und Integration – Geschichte, Probleme, Perspektiven», die vom Liechtenstein-Institut zuhanden der NGO-Arbeitsgruppe «Integration» verfasst wurde, zeigt auf, welche Folgen diese Entwicklung für Liechtenstein haben kann. Ein wirtschaftliches Schreckensszenario, wenn plötzlich die Erwerbstätigen fehlen. Der Trend der letzten Jahre wird sich nicht umkehren lassen, im Gegenteil, es ist von einer weiteren rasanten Zunahme von Arbeitsplätzen auszugehen, wie der Politologe Wilfried Marxer in der Studie schreibt. Um die Arbeitsplätze zu besetzen, hat Liechtenstein nicht viele Möglichkeiten: «Unter der Prämisse, dass die Fertilität auf dem heutigen Niveau bleibt und sich die Rechtslage nicht verändert, bieten sich letztlich nur die Zuwanderung und die weitere Zunahme der Zahl von Grenzgängern an.»
Positive Einstellung
Der Ausländeranteil Liechtensteins liegt heute bei rund einem Drittel. Seit 1980 wird er per Gesetz festgelegt. Im Jahr 1995 stieg die Zahl der Ausländer auf das historische Maximum von 39,1 Prozent. Mittlerweile hat sich die Zahl knapp über einem Drittel stabilisiert.
Im internationalen Vergleich weist Liechtenstein einen äusserst hohen Ausländeranteil auf. Die Studie widmet ein Kapitel dem Thema «Einstellung der Bevölkerung». Wilfried Marxer hat bei seinen Untersuchungen festgestellt, dass die Liechtensteiner keineswegs besonders ausländerfeindlich eingestellt sind. Vielmehr habe sich die Einstellung der Liechtensteiner gegenüber den Ausländern gelockert. «Ausländer unterschiedlichster Nationalitäten sind im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben Liechtensteins allgegenwärtig. Der hohe Anteil an Doppelbürgerschaften und gemischtnationalen Familien trägt ebenfalls dazu bei, dass gegenüber Ausländern keine starken Ressentiments vorhanden sind», heisst es in der Studie. Zuwanderer werden mehrheitlich positiv für die liechtensteinische Wirtschaft eingeschätzt. Anders als in der Schweiz und Deutschland findet nur eine Minderheit der in Liechtenstein Befragten, dass sie den Einheimischen die Arbeitsplätze wegnehmen oder die Kriminalitätsrate erhöhen.
«Nur an Inländer»
Diese Einstellung dürfe aber nicht über Vorfälle von Rassismus, Diskriminierung und Ausländerfeindlichkeit hinwegtäuschen, die in den vergangenen Jahren vorgefallen sind, warnt Wilfried Marxer. Auch in Liechtenstein gibt es beispielsweise Inserate, in denen Wohnungen «nur an Inländer» angepriesen werden.
Ohne Ausländer geht es nicht. Ein Kleinstaat wie Liechtenstein ist naturgemäss stärker ausländischen Einflüssen bis hin zu Migrationsströmen ausgesetzt als grosse Staaten, so das Fazit der Studie. Die Menschen im Land haben aber gelernt, damit umzugehen.
Quelle: Liechtensteiner Vaterland, Vaduz / Liechtenstein
Link: http://www.vaterland.li
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