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«Familien sollen in den Mittelpunkt»
10. Juni 2007

VADUZ - Mit einer aktiven Familienpolitik, will Familienministerin Rita Kieber-Beck die Familien so unterstützen, dass Kinderhaben attraktiv bleibt und Frauen sich sowohl für Karriere als auch für Kinder entscheiden können. Mit der Einführung eines Erziehungsgeldes soll dies möglich werden.

«Volksblatt»:Frau Regierungsrätin:
Regierungschef Otmar Hasler
sagte in einem «Volksblatt-Interview»
am 30. Dezember, dass das Jahr 2007 ganz im Zeichen der Familie stehen wird. Was können sich die Familien in Liechtenstein von der Familienministerin erwarten?
Rita Kieber-Beck:
Unterstützung und finanzielle Entlastung. Es ist mir ein persönliches Anliegen, dass Liechtenstein familienfreundlicher wird. Wir wollen die politischen Rahmenbedingungen setzen, damit zumindest ein Teil der Mehrausgaben und die geleistete Erziehungsarbeit vom Staat honoriert werden. Die Ergebnisse der Abklärungsarbeiten zur Postulatsbeantwortung stimmen uns äusserst positiv. Ich bin der festen Überzeugung, dass unser Gesamtkonzept eine zukunftsorientierte und vor allem nachhaltige Familienförderung ermöglicht.
«Wir bieten Familien finanzielle Unterstützung an.»
Was heisst das konkret?
Wir haben uns zum Ziel gesetzt, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, das alle Lebenssituationen erfasst.Ähnlich wie in anderen Staaten wollen wir die unbestrittenen Mehrkosten, die Familien haben, abfedern. Bei den getätigten Berechnungen gehen wir von ca. 10 000 Franken jährlich aus, die wir Familien in den ersten drei Jahren nach der Geburt geben wollen.
«Die Mehrkosten, welche Famlien haben, wollen wir abfedern.»
Mit solch einem Erziehungsgeld würden wir alle Mütter erreichen und nicht nur die Berufstätigen fördern, wie es derzeit im Bereich der Kindertagesstätten geschieht. Die Landessubvention für 143 Plätze betrug im Jahr 2006 1,75 Millionen Franken, das bedeutet ca. 12 000 Franken pro Kind und Jahr. Aufgrund dieses Erziehungsgeldes erhalten viele Frauen erstmals die Chance - losgelöst von ökonomischen Zwängen -, zu entscheiden, ob sie berufstätig sein wollen oder nicht. Nur so besteht echte Wahlfreiheit!
Muss Erziehungsarbeit vom Staat honoriert werden?
Man kann diese Frage durchaus stellen. Aktuell wird die Erziehungsarbeit, die von Müttern zu Hause geleistet wird, vom Staat nicht honoriert. Unser Modell sieht vor, dass es im freien Ermessen der Eltern liegt, ob beide oder nur ein Elternteil berufstätig ist. Einerseits wollen wir die Erziehenden fördern, die ihre Kinder selbst betreuen, andererseits wollen wir auch qualifizierten Fachkräften die Möglichkeit geben, einen lückenlosen Karriereverlauf zu leben. Mir erscheint es ungerecht, wenn wir nur jene Familien fördern, bei denen beide Elternteile arbeiten. Dies ist derzeit der Fall, wenn wir die Förderung der Kindertagesstätten unter diesem Gesichtspunkt betrachten. Unser Vorschlag bedeutet ein Mehr an Familienförderung und vor allem auch ein Mehr an Gerechtigkeit und Wahlfreiheit.
Im benachbarten Ausland (Österreich und Deutschland) zeigte sich, dass ähnliche Leistungen durch Urteile des Europäischen Gerichtshofes auch ins Ausland gezahlt werden mussten. Wie wollen Sie diese Massnahmen finanzieren?
Die Exportfähigkeit von Sozialleistungen im EWR-Raum ist in der Tat ein problematischer Bereich. Eine Familienförderung, wie wir sie uns wünschen, ist schlicht nicht finanzierbar, wenn diese auch ins Ausland exportiert werden muss. Zudem gilt es zu bedenken, dass solch ein familienpolitisches Steuerungsinstrument schnell zu einem Arbeitsmarktinstrument werden könnte. Unsere Grundüberzeugung ist, dass die Lebenshaltungskosten in Liechtenstein höher sind als im benachbarten Ausland. Diese höhere Belastung der Familien soll für in Liechtenstein Wohnhafte abgefedert werden.

Quelle: Liechtensteiner Volksblatt, Schaan / Liechtenstein
Link: http://www.volksblatt.li


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