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Gemeinsamer Auftritt in China
3. September 2010

In einem ersten gemeinsamen Auftritt dieser Art im Ausland stellten gestern Regierungschef Klaus Tschütscher und die Chefs der Wirtschaftsverbände chinesischen Journalisten in Shanghai den Wirtschaftsstandort Liechtenstein vor.

Von Günther Fritz aus Shanghai

Shanghai. – Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein reiste am Donnerstag für verschiedene Arbeitsgespräche weiter nach Singapur. Regierungschef Klaus Tschütscher und die Chefs der LIHK, des Bankenverbandes, des Versicherungsverbandes und der Treuhändervereinigung präsentierten am Donnerstagvormittag in Shanghai anlässlich einer gemeinsamen Medienkonferenz vor chinesischen Wirtschafts- und Finanzjournalisten den Wirtschafts- und Finanzstandort Liechtenstein.

Positive Bilanz über Gespräche

Am sechsten Tag der China-Reise der Liechtenstein-Delegation zog Regierungschef Klaus Tschütscher vor den chinesischen Fachjournalisten eine positive Bilanz über die Arbeitsgespräche, welche mit führenden Persönlichkeiten der chinesischen Politik und Wirtschaft in Peking und Shanghai geführt werden konnten. Diese Gespräche auf hoher politischer Ebene sowie die Teilnahme Liechtensteins an der Expo 2010 in Shanghai seien für die Weiterentwicklung und Vertiefung der bilateralen Beziehungen von grosser Bedeutung.

Wichtiger Wachstumsmarkt

In der hochrangigen Wirtschaftsdelegation, welche ihn beim Treffen mit Vize-Staatspräsident Xi Jinping und bei den Gesprächen im Finanzministerium, bei den Steuerbehörden und im Handelsministerium begleitet haben, widerspiegle sich die Diversifizierung der liechtensteinischen Wirtschaft, erklärte Regierungschef Klaus Tschütscher gestern in Shanghai. Liechtensteins Wirtschaft sei auf offene Märkte angewiesen. China sei ein wichtiger Wachstumsmarkt und liege aus liechtensteinischer Sicht auf dem sechsten Rang von 161 Exportländern, in welchen die Mitgliedsunternehmen der LIHK Auslandsumsätze generieren.

DBA mit China im Visier

Die Schweiz hat vor Kurzem mit China die Aufnahme von Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen beschlossen. In dieses Abkommen mit China will sich nach Auskunft von Regierungschef Klaus Tschütscher auch Liechtenstein einbringen. Für den Ausbau der Zusammenarbeit auf wirtschaftlicher Ebene sei für Liechtensteins Unternehmen zudem die Vermeidung von Doppelbesteuerung von grosser Bedeutung. Deshalb habe die liechtensteinische Delegation in den Gesprächen mit den Würdenträgern in Peking das Interesse an einem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Liechtenstein und China deponiert. Regierungschef Tschütscher wies vor den führenden chinesischen Medien insbesondere auch auf die Bedeutung der politischen und wirtschaftlichen Stabilität Liechtensteins als wesentlichen Standortvorteil hin: «Liechtenstein ist eine Oase der Stabilität.»

Enormes Wachstumspotenzial

LIHK-Präsident Klaus Risch wies anlässlich der gestrigen Medienkonferenz in Shanghai auf die Besonderheit des liechtensteinischen Arbeitsmarkts hin, dass es bei 36 000 Einwohnern 33 000 Arbeitsplätze gibt, weil viele Arbeitnehmer aus den Nachbarländern täglich zupendeln. Die Mitgliedsunternehmen der LIHK im Ausland beschäftigen nach Auskunft von Klaus Risch rund 33 000 Arbeitskräfte. Davon sind 2000 Arbeitsplätze in China. Der chinesische Markt biete auch für liechtensteinische Unternehmen ein enormes Wachstumspotenzial, ist der LIHK-Präsident überzeugt. «China wird in Zukunft für Liechtensteins Wirtschaft und den politischen und wirtschaftlichen Austausch noch an Bedeutung gewinnen», betonte Klaus Risch.

Tor zur Schweiz und Europa

Philippe Moser, Präsident des Liechtensteinischen Versicherungsverbandes, wies insbesondere auf das Angebot des EWR-Mitglieds Liechtenstein hin, für das internationale Versicherungsgeschäft als Eingangstor nach Europa dienen zu können. Der offene Zugang zu den beiden Märkten Schweiz und Europäische Union sei ein Schlüsselfaktor für den Erfolg in diesem Finanzdienstleistungsbereich.

Banken rüsten sich für China-Markt

Weshalb sollen ausländische Kunden einer liechtensteinischen Bank ihr Geld anvertrauen? Adolf Real, Präsident des Liechtensteiner Bankenverbandes, zeigte die Gründe auf, warum der Bankenplatz Liechtenstein auch für chinesische Kunden attraktiv sein kann: Hohe Finanzdienstleistungsqualität, ausgezeichnetes Know-how im Private Banking sowie eine stabile Regulierung nach internationalen Standards. Auch wenn die gesetzlichen Grundlagen am chinesischen Bankenplatz zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine Ansiedlung ausländischer Banken zulassen, wollen die liechtensteinischen Banken die ersten sein, wenn es soweit ist.

Vertrauen der Kunden gewinnen

Clemens Laternser, Geschäftsführer der Liechtensteinischen Treuhändervereinigung, stellte die Berufssparte der Treuhänder vor, die in China noch wenig bekannt ist, für die in Asien aber aufgrund der vielen neuen Wohlhabenden die Nachfrage voraussichtlich steigen wird. Weiter wies Laternser auf die besonderen liechtensteinischen Strukturierungsinstrumente wie Stiftung und Trust hin. Er zeigte sich erfreut über den offenen und respektvollen Empfang in China: «Es geht nun darum, das Vertrauen zwischen chinesischen Kunden und liechtensteinischen Treuhändern nachhaltig zu gestalten.»
Die anwesenden Journalisten hatten sich gut vorbereitet und stellten eine Fülle von spezifischen Fragen, wie zum Beispiel zur internationalen Steuerkooperation Liechtensteins, zu Massnahmen zur Bekämpfung der Geldwäscherei, des organisierten Verbrechens und der Terrorismusbekämpfung, zu generellen Anlagestrategien der liechtensteinischen Banken sowie zu deren Rezepten zur Bewältigung der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Weiters wollten die chinesischen Journalisten zum Beispiel wissen, weshalb der Industriestandort so erfolgreich ist und wie die Regierung die Arbeitslosigkeit bekämpft.

Quelle: Liechtensteiner Vaterland, Vaduz, Fürstentum Liechtenstein
Link: http://www.vaterland.li


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