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Regieruns-Aus in Österreich: Viel Rummel um Jörg Haiders Auftritt in Schaan
Vom Geburtshelfer zum Totengräber: Am Vortag erst hatte Jörg Haider die blauschwarze Koalition in Österreich in die Luft gejagt. Gestern war jener Mann, der diese Koalition erst ermöglicht hatte, Gastredner bei der LIHGA in Schaan. Seine Rede zum Thema «Kleinstaaten in Europa» wurde aber naturgemäss von den turbulenten Ereignissen in seiner Heimat überschattet.
Wolfgang Zechner
Punkt 15 Uhr beendete der österreichische Regierungschef Wolfgang Schüssel gestern das Projekt «ÖVP/FPÖ-Koalitionsregierung» und wählte den Weg in die Neuwahl. Die Wende in Österreich ist damit - zumindest vorerst - zu Ende. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider seinen Auftritt bei der LIHGA bereits absolviert und befand sich schon wieder auf der Heimreise. Ein Auftritt, der wieder einmal gezeigt hatte, wie sehr Haider polarisiert.
Das LIHGA-Zelt in Schaan war natürlich bis auf den letzten Platz besetzt. 420 Eintrittskarten hatten die Veranstalter binnen kürzester Zeit unters Volk gebracht. Während sich das Festzelt füllte, machten rund 30 Gegendemonstranten vor den Absperrungen Stimmung gegen den Rechtspopulisten aus dem Süden Österreichs. Sie verteilten unter den Besuchern Zetteln, auf denen Haiders berüchtigtes Lob für Waffen-SS-Mitglieder abgedruckt war.
Draussen Pfiffe, drinnen Jubel
Als Haider dann in Person erschien, wiederholte sich die bereits bekannte Dramartugie. Eine Dramartugie, die überall dort wo Haider auftritt, nach dem selben Muster abläuft: Seine Gegner pfeifen, halten Transparente hoch. Haider winkt ihnen hämisch zu, und strahlt über das ganze Gesicht. Im Zelt naturgemäss ein anderes Bild. Frenetisch feiern die 420 Personen «ihren Jörg». Und Jörg Haider enttäuschte seine Fans nicht. In seiner Rede, die er unter das Motto «Kleinstaaten in Europa» stellte, wiederholte der begnadete Rhetoriker seine Vorbehalte gegen die EU. Eine EU, die seiner Ansicht nach ein bürokratisches Mons-ter mit Sitz in Brüssel darstellt. Auch die Gegendemonstranten bekamen bei seinem Rundumschlag ihr Fett weg: «Die einen pfeifen, die anderen arbeiten - das nenne ich Arbeitsteilung.» Dass er die Lacher im Saal auf seiner Seite hatte, muss nicht extra erwähnt werden.
Auch seinem ehemaligen «Partner», Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, setzte Haider von Schaan aus das Messer an: «Er kann sich aussuchen, ob er sofort nach der Wahl in Pension geht, oder noch einige Zeit durchhält.» Ob Schüssel wirklich in Pension geht, weiss naturgemäss niemand - Neuwahlen im November stehen Österreich aber bevor.
Quelle: Liechtensteiner Volksblatt
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